Schwerpunkt Bildung & Schulen

Schule neu denken

Bildung entscheidet über Chancen. WfE möchte gemeinsam mit Schulen, Familien, Wissenschaft, Ausbildungsbetrieben und jungen Menschen ein langfristiges Bildungskonzept entwickeln, das Grundlagen stärkt, auf das Leben vorbereitet und Schulen verlässlich weiterentwickelt.

Bildung als Zukunftsaufgabe

Schule darf nicht von Reform zu Reform springen. WfE möchte ein Bildungssystem, das langfristige Ziele verfolgt und regelmäßig überprüft, ob Kinder tatsächlich besser lernen. Neue Konzepte sollen zunächst erprobt, wissenschaftlich begleitet und nur dann ausgeweitet werden, wenn sie im Schulalltag funktionieren.

Unser Leitgedanke: Nicht für eine Rangliste unterrichten. Schule muss so gut werden, dass bessere Ergebnisse bei Bildungsstudien die Folge besserer Bildung sind.

1. PISA ernst nehmen – aber nicht für PISA unterrichten

PISA ist ein wichtiges Messinstrument, aber nicht der Zweck von Schule. Die OECD weist für Deutschland bei PISA 2025 niedrigere Durchschnittsergebnisse in Mathematik und Lesekompetenz als 2022 aus; Naturwissenschaften lagen ungefähr auf dem Niveau von 2022. Über einen längeren Zeitraum betrachtet waren die Ergebnisse 2025 in allen drei Bereichen die niedrigsten bislang für Deutschland gemessenen PISA-Ergebnisse.

Für WfE ist das ein Anlass, die Ursachen systematisch zu untersuchen und langfristig gegenzusteuern. Entscheidend ist, was junge Menschen tatsächlich können, wenn sie die Schule verlassen.

Quelle: OECD – PISA 2025, Deutschland

2. Lesen, Schreiben und Rechnen sicher beherrschen

Grundkompetenzen sind die Voraussetzung für nahezu jedes weitere Lernen. Ein Kind darf nicht jahrelang Lernlücken mittragen, ohne dass gezielt geholfen wird.

  • Lesen, Schreiben und Mathematik wieder stärker als verbindliche Grundlagen behandeln.
  • Lernstände regelmäßig und altersgerecht erfassen, ohne Schulen zu reinen Testbetrieben zu machen.
  • Förderangebote sofort beginnen, wenn deutliche Schwierigkeiten sichtbar werden.
  • Auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gezielt fordern.

3. Früh fördern statt später reparieren

Bildung beginnt vor dem ersten Schultag. Sprachentwicklung, Motorik, Konzentration und soziale Fähigkeiten sollten früh unterstützt werden, wenn ein Kind Hilfe benötigt.

  • Sprachförderung vor und während der Grundschule verbessern.
  • Übergänge zwischen Kita und Grundschule enger begleiten.
  • Eltern verständlich über Fördermöglichkeiten informieren.
  • Zusätzliche Lernangebote so gestalten, dass sie nicht vom Einkommen der Familie abhängen.

4. Lehrkräfte wieder mehr unterrichten lassen

Lehrerinnen und Lehrer sollen ihre Zeit vor allem für Unterricht, Vorbereitung und individuelle Förderung einsetzen können. Nicht jede organisatorische Aufgabe gehört auf den Schreibtisch einer Lehrkraft.

  • Verwaltungsaufgaben vereinfachen und geeignete Aufgaben an Verwaltungspersonal übertragen.
  • Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und pädagogische Assistenz ausbauen.
  • IT-Fachkräfte für Technik und Wartung einsetzen.
  • Sonderpädagogisches Personal dort bereitstellen, wo besonderer Förderbedarf besteht.

5. Unterschiedliche Lernwege ermöglichen

Kinder lernen unterschiedlich. Ein modernes Schulsystem muss sowohl Lernschwierigkeiten auffangen als auch besondere Begabungen fördern.

  • Kleinere Lerngruppen bei besonderem Förderbedarf ermöglichen.
  • Förderunterricht und zusätzliche Lernzeiten ausbauen.
  • Begabtenförderung und anspruchsvolle Zusatzangebote stärken.
  • Projektunterricht und praxisorientierte Lernformen nutzen, wenn sie fachlich sinnvoll sind.

6. Schule muss auf das echte Leben vorbereiten

Fachwissen bleibt wichtig. Gleichzeitig müssen Jugendliche auf Situationen vorbereitet werden, die ihnen nach der Schule tatsächlich begegnen.

Finanzielle Bildung

  • Girokonto, Zinsen, Kredite und Schulden verstehen.
  • Verträge, Versicherungen und Verbraucherrechte kennenlernen.
  • Mit einem persönlichen Budget umgehen und Kosten realistisch einschätzen.

Alltag, Staat und Behörden

  • Grundlagen von Steuern und Sozialversicherungen vermitteln.
  • Formulare, Behördenwege und wichtige Rechte verständlich erklären.
  • Seriöse von unseriösen Angeboten unterscheiden lernen.

Berufsorientierung

  • Ausbildung, Studium, duales Studium, Handwerk, soziale und technische Berufe gleichwertig vorstellen.
  • Berufsorientierung früher beginnen und Praktika sinnvoll vorbereiten und auswerten.
  • Schulen und Ausbildungsbetriebe regional stärker vernetzen.

7. Digitalisierung mit Sinn

Ein Tablet macht noch keinen guten Unterricht. Technik soll Lernen unterstützen und zuverlässig funktionieren.

  • Stabiles Internet und funktionierende Geräte gewährleisten.
  • Langfristige Wartung und technischen Support finanzieren.
  • Datenschutz und Barrierefreiheit berücksichtigen.
  • Analoge Grundfähigkeiten erhalten: lesen, schreiben, rechnen und selbstständig denken.

8. Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen

KI wird Teil der Lebens- und Arbeitswelt. Schule sollte sie weder ignorieren noch unkritisch einsetzen.

  • Funktionsweise, Chancen und Grenzen von KI vermitteln.
  • Quellenprüfung und Erkennen möglicher Fehler trainieren.
  • Datenschutz und verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Informationen lehren.
  • Klare Regeln festlegen, wann KI als Hilfsmittel erlaubt ist und wann eine eigene Leistung erforderlich ist.

Grundsatz: KI soll Denken unterstützen, nicht das eigene Denken ersetzen.

9. Medienkompetenz und Demokratiebildung

Junge Menschen begegnen täglich Nachrichten, Videos, Werbung und politischen Aussagen. Schule soll ihnen Werkzeuge geben, um Informationen selbstständig beurteilen zu können.

  • Quellen überprüfen und Falschinformationen erkennen lernen.
  • Nachricht, Kommentar, Werbung und Manipulation unterscheiden.
  • Grundrechte und demokratische Institutionen verstehen.
  • Unterschiedliche Positionen sachlich diskutieren.

Schule soll nicht vorgeben, was Schülerinnen und Schüler politisch denken. Sie soll ihnen zeigen, wie sie Informationen prüfen und sich eine eigene Meinung bilden können.

10. Sichere Schulen und schnelle Hilfe

Lernen funktioniert schlecht, wenn Kinder Angst haben oder dauerhaft belastet sind.

  • Schulsozialarbeit und Schulpsychologie besser verfügbar machen.
  • Verbindliche Konzepte gegen Mobbing und Gewalt entwickeln.
  • Eltern frühzeitig einbeziehen.
  • Hilfen bei psychischen Belastungen schneller vermitteln.

11. Inklusion muss praktisch funktionieren

Gemeinsames Lernen kann Chancen schaffen, benötigt aber ausreichend Personal, geeignete Räume und individuelle Förderung. Inklusion darf nicht nur auf dem Papier bestehen.

  • Sonderpädagogische Unterstützung verlässlich bereitstellen.
  • Schulbegleitung bedarfsgerecht organisieren.
  • Geeignete Räume und kleinere Lerngruppen ermöglichen.
  • Spezialisierte Angebote erhalten, wenn sie für ein Kind die bessere Lösung sind.

Das Kindeswohl muss wichtiger sein als eine Statistik.

12. Gute Schulgebäude gehören zu guter Bildung

Marode Toiletten, defekte Heizungen und unzureichende Klassenräume dürfen kein Dauerzustand sein.

  • Sanierung und Instandhaltung langfristig planbar finanzieren.
  • Kommunen bei großen Schulbauprojekten verlässlich unterstützen.
  • Barrierefreiheit, Hitzeschutz und gute Lernbedingungen bei Modernisierungen mitdenken.

13. Ganztag mit Qualität

Ganztag darf nicht nur bedeuten, dass Kinder länger im Gebäude bleiben. Gute Ganztagsangebote verbinden Lernen, Förderung, Freizeit und Erholung.

  • Hausaufgaben- und Lernzeiten pädagogisch begleiten.
  • Sport, Musik, Kunst, Medien und handwerkliche Angebote einbinden.
  • Kooperationen mit Vereinen und außerschulischen Partnern erleichtern.
  • Freiräume und Erholungszeiten für Kinder erhalten.

14. Schülerinnen und Schüler beteiligen

Wer Schule verbessern will, sollte die Erfahrungen der Menschen einbeziehen, die dort täglich lernen und arbeiten.

  • Schülervertretungen stärken.
  • Eltern und Lehrkräfte frühzeitig in größere Veränderungen einbeziehen.
  • Rückmeldungen aus Schulen systematisch auswerten.

15. Neue Konzepte zuerst erproben

WfE möchte Bildungspolitik stärker danach ausrichten, was tatsächlich funktioniert. Neue Modelle sollen zunächst in Modellregionen oder ausgewählten Schulen wissenschaftlich begleitet werden.

  • Lernerfolg und Förderwirkung messen.
  • Auswirkungen auf Lehrkräfte und Schulalltag berücksichtigen.
  • Kosten und Personalbedarf transparent auswerten.
  • Modelle nur ausweiten, wenn die Ergebnisse überzeugen.

16. Langfristiger Bildungsplan statt Dauerreform

Schulen brauchen Verlässlichkeit. WfE möchte langfristige und überprüfbare Bildungsziele entwickeln, die nicht nach jeder Wahl vollständig neu geschrieben werden.

  • Entwicklung bei Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften regelmäßig beobachten.
  • Digitale Kompetenzen und Ausbildungsfähigkeit einbeziehen.
  • Schulabbrüche und Unterrichtsausfall transparent erfassen.
  • Unterschiede bei Bildungschancen systematisch untersuchen.
  • Ergebnisse öffentlich erklären und Maßnahmen anpassen, wenn Ziele verfehlt werden.
Unser Ziel: Eine Schule, die Grundlagen vermittelt, Kinder individuell fördert, auf das Leben vorbereitet, Lehrkräfte unterstützt und moderne Technik sinnvoll nutzt. Bessere PISA-Ergebnisse sollen nicht durch Unterricht für den Test entstehen, sondern weil das Bildungssystem insgesamt besser funktioniert.

Zurück zum Programmpunkt Bildung & Schulen